Donnerstag, 20. Juli 2017

We put our old blue genes on — [Shut de fuck up] and sail

Die Genackerin wird gehisst...
Ystad — Hanö, 60sm
Mittwoch, 21. Juni 2017

Da es um drei Uhr früh noch dunkel ist, legt die Skipperin sich nochmal ein Stündlein hin. Motor an und Leinen los um 5:00. Vorbei an der schönen Küste von Skane, den Schiffssetzungen, und natürlich tragen die fleißigen Bühnenarbeiter des Naturtheaters auch am frühen Morgen schon Kulissen vorbei, Schattenrisse und abwechslungsreiche, für das Auge tröstliche Horizontlinien. A girl named Su wacht gerade rechtzeitig zum Segelsetzen auf, als wir auf NE-Kurs gehen. Wieder einer dieser paradiesischen Tage! Diesmal hat der SMHI den Wind mitsamt Drehungen exakt vorausgesagt. Wegen des Schießgebietes, durch das wir fahren, ruft die Skipperin die in der Karte angegebene Telefonnummer and und rechnet mit einem Automaten; aber da ist ein richtiger Mann dran! Keine Schießübungen auf unserem Weg. Wir bekommen einen der schönsten Segeltage geschenkt. Bei scheinbarem halbem Wind die meiste Zeit kommen wir gut voran, müssen bald reffen, weil die Drifter sich so schnell auf die Seite legt, reffen bald wieder aus, und dann kommt doch tatsächlich noch die  Genackerin :-) zum Einsatz. So kurzweilig kann ein Tag sein, der um 4:00 beginnt. Und als wir ankommen, ist immer noch ein halber Tag übrig!

Leider müssen wir ins Päckchen. Ein eilfertiger Ossi nimmt Leinen an, und angesichts der ausschließlich aus Frauen bestehenden Crew will er unbedingt eine (völlig überflüssige) Brustleine legen, damit wir "schonmal fest" sind. Ahja. Später stellt sich heraus, dass er auch noch ein rechter Witzbold ist, denn er hat den "geworfenen Palstek" drauf (macht den Knoten und wirft ihn uns vor die Füße). Ham wir gelacht... Dass wir nur Frauen sind, bringt uns viel Bewunderung ein, z.B. von der Frau, die mit ihrer gesamten Familie an Bord ist. Auch sie wünscht sich, wie viele andere zuvor, mal ohne Mann auf eigenem Kiel unterwegs zu sein. Wir bewundern sie zurück, denn mit drei kleinen Kindern auf so engem Raum, das ist bestimmt nicht ohne!

Vor uns ist die holländische Intention eingelaufen, die die Skipperin in Bagenkop so stimmgewaltig vom Hof gejagt hat. Endlich lässt sich die Situation klären und eine Entschuldigung anbringen. Die Holländer freuen sich. "Thanks for talking to us!"

Wir Mädels sind alle trunken von diesem tollen Segeltag, von der Crew und vom Leben überhaupt. Als Ms Ireland später am Abend ihr Daisy-face auch noch mit dem grünen Plastiksieb als Hut krönt, können wir uns gar nicht mehr halten.

Abendspaziergang zum Leuchtturm. Wir schauen die Hirsche an. Die Hirsche schauen uns an. Sonnenuntergang standesgemäß an der Pier. Die dichten Wolken reflektieren das Rot des Untergangs.

Alle müde in die Kiste, mit Lachtränen in den Augen.


Wind: W und NW zwischen 2 und 5 Bft

Und sonst: Verlust der Skipperinnenschirmmütze bei der Arbeit mit der Genackerin. Kein allzu hoher Preis für das Vergnügen ;-)

7:05 — Eine kleine Yacht mit Selbststeueranlage kreuzt unseren Weg, mit Kurs SW: Niemand an Deck!

Ms Ireland bringt uns die irische Art zu fluchen bei: [Shut de fuck up]. Die Skipperin ergänzt in Gedanken: ... and sail! 
https://youtu.be/1pPrHNsU5f0

Hanö hat seit letztem Jahr eine knallblonde, schon etwas in die Jahre gekommene Hafenmeisterin. Die Klos sind blitzsauber, beheizt und riechen nach Sauna.


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